Das Leben in einer Gemeinschaft bildet den Kern unseres Konzeptes. Als Vorbild dient uns dabei die therapeutische Gemeinschaft, wie sie in verschiedenen psychosomatischen Kliniken praktiziert wird. Eine Gemeinschaft, die dem einzelnen Schutz bietet, aber auch als Spiegel für gesunde und ungesunde Verhaltensweisen dient. Wie hilfreich ein solches Erleben sein kann, zeigt eine Erfassung der psychosomatischen Klinik Bad Grönenbach, die du hier nachlesen kannst.

"Leben ist Begegnung" ist ein Projekt mit dem Ziel ein Gästehaus für Menschen in schwierigen Lebensphasen zu schaffen. Dabei richtet sich unser Haupt-Augenmerk auf jene Menschen, die unter seelischen Problemen leiden. Unser Gästehaus wird keine therapeutische Einrichtung, daher können wir nicht jeden aufnehmen.    

Beschreibung
Von Chrisses wiki account - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Zitat:

"Dazu kann man nur Bedingungen, also Raum, einen Erfahrungsraum schaffen, in dem das, was man sich wünscht passiert ...

selbstorganisatorisch passiert.

Man kann gelingende Beziehungen, ... dass Menschen einander als Subjekte begegnen,

das kann man nur erreichen, indem man Bedingungen schafft, wo denen das Spaß macht."

Gerald Hüther - Von der Beziehung zur Begegnung - Vom Objekt zum Subjekt - Vom ich zum Du

 

Gerald Hüther beschreibt hier das Fundament von Leben-ist-Begegnung. Wie es schon alleine der Namen des Projektes verrät. Es geht um Begegnung. Begegnung in und mit der Gruppe, den anderen, der Gemeinschaft und mit dir selbst.

Möglicherweise denkst du jetzt: Ich begegne doch ständig anderen Menschen. Was soll an dieser Art der Begegnung so besonderes sein?
Ehemalige Gäste (Patienten) der Kliniken, die nach dem Bad Herrenalber Modell arbeiten, werden diese Frage so beantworten: Es ist eine ganz andere Art der Begegnung! Das kann ich nicht erklären, im Grunde kannst nur du selbst diese Erfahrung machen.

Wie bedeutend eine solche Gemeinschaft, Gerald Hüther nennt es Erfahrungsraum, ist, wird in dieser Befragung deutlich:

Patienten der psychosomatischen Klinik Bad Grönenbach (1993 – 2005) wurden befragt, was sie während ihres Klinikaufenthalts als hilfreich empfanden.

morgenlicht600

 

„....for at a deep level, attention and prana are the same –
life is awareness, awarness is life“. Deepak Chopra


Ich möchte über gruppendynamische Prozesse sprechen, so, wie sie in (Selbsthilfe -) Gruppen, die nach dem Komitee-Stil arbeiten, zu beobachten sind. Dabei geht es mir um die Beobachtung und Klärung der dem Aus-tausch zugrunde liegenden Faktoren und ihren synergetischen Prozessen.

Selbsthilfegruppen gibt es zwischenzeitlich wie Sterne am nachtblauen Himmel, sie lassen sich nicht mehr zählen. Aber was hält diese Gruppen zusammen, was gibt ihnen Bestand und wie manifestieren sich ihre heilenden Wirkkräfte?

Tatsächlich lassen sich in gruppendynamischen Prozessen heilende Faktoren von erstaunlicher Potenz beobachten, die es den Teilnehmern sehr oft ermöglichen einen Quantensprung vorwärts im Heilungsprozess zu nehmen. Worin diese Kräfte bestehen und welche synergetischen Prozesse dabei entstehen, möchte ich hier erläutern.

Es geht mir dabei um (Selbsthilfe-) Gruppen, bei denen nicht in erster Linie ihre Handicaps und die Probleme, die sie deswegen im Alltag bewältigen müssen im Zentrum des Dialogs stehen, sondern um Gruppen, die sich treffen, um sich mit ihren psychisch bedingten Verhaltensschwierigkeiten auseinanderzusetzen. Diese Treffen, auch Komitee genannt, unterscheiden sich deutlich von den Meetings der A-Gruppen. Es geht mir hier darum, die ihnen eigene, spezifische Dynamik zu erläutern.

Teddybär im Koffer
Bild unter CC0 Creative Commons

Zitat:

"Kuscheltiere haben eine schützende und zugleich heilsame Wirkung: Sie spenden Wärme, Trost und Nähe. Und das nicht nur bei Kindern.

Wissenschaftler der Universität Ulm haben nun herausgefunden, dass insbesondere Borderline-Patient/Innen eine intensive emotionale Bindung zu Kuscheltieren aufbauen.

Diese helfen den Betroffenen dabei, ihre Gefühle zu regulieren. Leiden die Betroffenen verstärkt unter Bindungs-ängsten oder Depressivität, wird dieser Effekt noch deutlicher."

Quelle: https://www.uni-ulm.de

In den psychosomatischen Kliniken mit Herrenalber Modell scheint so einiges anders, als in vielen der konventionellen Kliniken zu sein. Immer wieder fällt einem auf, daß dort erwachsene Menschen mit Plüschtieren durch die Gänge laufen.
In den seltensten Fällen beruht das auf einer Intervention des behandelnden Therapeuten. Die Gäste (Patienten) kamen sozusagen selbst „aufs Plüschtier“.

Was früher häufig in der Klinik zu sehen war, ist seltener geworden.
Möglicherweise deshalb, weil die Gäste mit Plüschtier im Arm von anderen oft irritiert angeschaut wurden. Diese Vermutung scheint sich durch Gespräche mit ehemaligen Gästen (Patienten) zu bestätigen. Dort höre ich oft: „Erwachsene mit Plüschtier? Das geht doch nicht!“

Wie wichtig und hilfreich das Leben in der therapeutischen Gemeinschaft ist, zeigt folgende Erfassung der psychosomatischen Klinik in Bad Grönenbach.
Befragt wurden die Jahrgänge 1993 – 2005 der psychosomatischen Klinik Bad Grönenbach.
Hier die Rangliste der Therapieformen, die als „sehr hilfreich“ erlebt wurden.

Rang  Angebot  Anzahl der befragten Gäste / Patienten  Anzahl der Gäste / Patienten
die das Angebot als "sehr hilfreich"
erlebt haben

1

 Leben in der Gemeinschaft

 8624

 58,3%
2  Frauengruppe  503  56,3%
3  Einzelgespräche  8275  51,2%
4  Bonding  3781 51,0%
5  Kerngruppe  8237 49,9%
6  Fertigkeitstrainig  115 46,1%
7  Massagen / Physiotherapie  185 45,4%
8  Essstörungsgruppen  1269 42,7%
9  Emotionale Kompetenz  1326 41,0%

 

Vielleicht wollt Ihr eure Erfahrungen und Gedanken dazu mitteilen?

 

„. . . wo könnten wir eher zu uns finden, als hier in der Gemeinschaft, als Mensch unter Menschen"

So, oder so ähnlich hat es Richard Beauvais formuliert und das ist das Prinzip, das in unserem Gästehaus im Vordergrund steht: Im Sinne einer Le­bens-Schule wollen wir Ehemaligen der 12-Schritte-Kliniken die Möglichkeit geben, nochmals einzutauchen in die heilende Gemeinschaft. Wir sind überzeugt, daß das intensive Zusammenleben mit anderen genügend positiven Einfluß auszuüben vermag, um eine dauerhafte persönlichen Veränderung und Stabilisierung zu ermöglichen.